Die Gewichtung von Preis und Leistung – Mythen und Fakten

Titeldaten
  • Ferber, Thomas
  • VergabeFokus
  • Heft 6/2026
    S.22-29
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Aufsatz

Abstract
Der Verfasser untersucht in seinem Beitrag Annahmen der Vergabepraxis zur Angebotswertung, wie z.B., dass eine Gewichtung von 50 % Preis und 50 % Leistung stets geeignet ist, der Preis mit mindestens mit 30 % gewichtet werden müsse, der Preis aus Gründen der Wirtschaftlichkeit grundsätzlich stärker zu gewichtet werden müsse oder dass die einfache Richtwertmethode unabhängig vom Einzelfall die passende Bewertungsmethode sei. Zunächst geht er der Frage nach, ob eine Gewichtung von 50 % Preis und 50 % Leistung stets geeignet sei. Er arbeitet heraus, dass diese Gewichtung bei großen Unterschieden zwischen Preis- und Leistungsspannweiten dazu führt, dass der Preis die Zuschlagsentscheidung dominiert. Sodann wird die These einer notwendigen Mindestgewichtung des Preises von 30 % analysiert. Er stellt dar, dass auch diese Gewichtung bei entsprechenden Spannweiten zu einer einseitigen Preisentscheidung führen kann. Anschließend geht er der häufigen Annahme nach, der Preis müsse aus Gründen der Wirtschaftlichkeit grundsätzlich stärker gewichtet werden. Er zeigt auf, dass bei sehr großen monetären Spannweiten bereits eine geringe Preisgewichtungen ausreiche, um den Preis entscheidend werden zu lassen. Sodann nimmt er die einfache Richtwertmethode und die Annahme, dass diese stets geeignet sei, in den Mittelpunkt der Betrachtung. Er arbeitet heraus, dass bei deutlich unterschiedlichen Spannweiten die tatsächliche Gewichtung bei Nutzung der einfachen Richtwertmethode von der scheinbaren Gewichtung von 50 % zu 50 % deutlich abweicht. Die einfache Richtwertmethode daher sollte nur dann Anwendung finden, wenn die zu erwartenden Spannweiten der monetären und nichtmonetären Kriterien etwa gleich seien. Sofern die nichtmonetäre Spannweite sehr viel größer sei als die monetäre Spannweite, müssten die monetären Zuschlagskriterien stärker gewichtet werden. Seien hingegen größere monetäre Spannweite als die nichtmonetären Spannweiten zu erwarten, müssten die nichtmonetären Zuschlagskriterien deutlich stärker gewichtet werden.
Robert Thiele, MBA, BMDS, Berlin